Was ich mir für das Jahr 2010 und die Zukunft wünsche

Im Alter denkt man oft an frühere Zeiten – auch an die Schulzeit – zurück. Zu unserer Zeit gab es Poesiealben, in denen man sich mit klugen Sprüchen und Zitaten für das spätere Leben verewigte. Liest man sie heute, schmunzelt man, oder sie machen einen nachdenklich, weil man den Sinn erst heute, mit all unseren Lebenserfahrungen, richtig versteht. Einen davon möchte ich, im Hinblick auf die hohe Verschuldung, an der noch die nachfolgenden Generationen zu knappern haben werden, unserer „Rathausspitze“ für das Jahr 2010 zur Beherzigung auf die Tagesordnung setzen: „Sei wie das Veilchen im Moose – bescheiden, sittsam und rein – und nicht wie die stolze Rose, die stets nur bewundert will sein.“
Ich wünsche mir, dass wieder mehr Menschlichkeit in allen Bereichen des Lebens Einzug hält, z.B. dass der Bürger rechtzeitig mit einbezogen wird, wenn es um gravierende Veränderungen in seinem Lebensbereich geht, und nicht erst, wenn nicht mehr daran zu rütteln ist. Gutes Beispiel ist der WeDi. Mein größter Wunsch – und auch der vieler Mieter, die hier seit Jahren und Jahrzehnten ihr zu Hause haben, das ihnen Geborgenheit gibt – ist, dass wir in unseren Wohnungen bleiben können, indem die Gebäude der Städt. Baugesellschaft die seit mehr als 10 Jahren angedachte bezahlbare Sanierung erhalten, statt sie dem Erdboden gleich zu machen. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir mehr Respekt gegenüber der älteren Bevölkerung, die nun nicht mehr zu den potenziellen Leistungsträgern der Gesellschaft gehört, aber durch deren Hände Arbeit und den daraus erzielten Steuern der heutigen dynamischen Regierungsspitze im Rathaus eine gute Ausbildung gewährleistet werden konnte!
Für die arbeitsuchenden Menschen wünsche ich mir die Abschaffung der Leihfirmen. Der Mensch wird gehandelt wie Ware und durch die befristeten Verträge, die meist schon vor Ablauf der Probezeit aufgekündigt werden. Wie soll ein junger Mensch heutzutage für die Zukunft planen geschweige denn eine Familie gründen? (Sklaverei lässt grüßen!)
Den Kindern wünsche ich mehr Nestwärme in ihren Familien und eine gute Grundsteinlegung in den Schulen für ihr späteres Leben. Auch hier möchte ich einen Spruch aus meinem Poesiealbum anbringen, den mir 1957 ein Lehrer einschrieb: „Der Mensch muss sich in der Welt selbst forthelfen; und dies ihn lehren – ist unsere Aufgabe.“(Pestalozzi)
Weiterhin wünsche ich mir eine saubere Stadt durch mehr Präsenz von Ordnungshütern, die die Übeltäter sofort zur Rechenschaft ziehen – mit einem gleichzeitigen Appell an die Hanauer und die Besucher unserer Stadt: Abfälle gehören in den nächsten Mülleimer! (Zigarettenkippen, ausgekaute Kaugummis, Hundekot, Verpackungen von Fastfood ect.,ect.) Dem Grünflächenamt möchte ich sagen: Danke, weiter so! Hanau blüht auf – auch ohne den WeDi! Nach Durchführung des WeDi’s wird Hanau nicht mehr u n s e r Hanau sein, denn die Ankündigung unseres Oberbürgermeisters: „In den nächsten 10 Jahren wird vom Schlossplatz bis zur Französischen Allee kein Stein mehr auf dem anderen bleiben!“, spricht Bände. Das sollte alle Hanauer nachdenklich machen, besonders die, die die Bombardierung der Innenstadt am 19. März 1945 miterlebt haben und am Wiederaufbau beteiligt waren – und auch alle, die ihre Stadt lieben. Viele, sehr viele Hanauer und Nichthanauer können es nicht begreifen. Ich weiß von was ich rede, denn sie kommen samstags zu unserem Infostand am Marktplatz und schütten uns ihr Herz aus.
Dem Einzelhandel wünsche ich viele Kunden von nah und fern (auch ohne WeDi), viele kommen auch jetzt gern nach Hanau, anstatt nach Offenbach, Aschaffenburg oder Frankfurt zu fahren. Karstadt muss in Hanau bleiben!
Außerdem wünsche ich mir für die Brüder Grimm Stadt Hanau, dass die Besucher von Außerhalb am Hauptbahnhof und auch an den Stadteingängen „Herzlich willkommen“ geheißen werden –und zwar durch Märchengestalten, und das funktioniert auch ganz ohne den WeDi!!
Den Mitmenschen möchte ich mit auf den Weg geben: Mehr Bescheidenheit, weniger Anspruchsdenken, nehmt die Sorgen der Kinder ernst, mehr Mut, sich gegen eine Politik zu wehren, die nicht in unserem Sinne entscheidet, denn sie sind des Volkes Vertreter. Nur leider wird dies allzu oft vergessen.
Für meine Familie wünsche ich mir: Mehr Gesundheit als im letzten Jahr, sichere Arbeitsplätze als Garantie für eine gesicherte Zukunft und Frieden in der Welt.
Zum Schluss wünsche ich für mich persönlich: Weniger schlaflose Nächte („Denk’ ich an Hanau in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht.“ – In Anlehnung an Heinrich Heines „Denk’ ich an Deutschland in der Nacht,…), mehr Zeit für meine Familie und besonders für meine Enkel, und dass ich gesund bleibe, um weiterhin mit den Mietern an der Franz. Allee für unser Anliegen zu kämpfen, denn der Kampf – David gegen Goliath – nahm auch ein unerwartetes Ende.

Allen ein sorgenfreies Jahr wünscht

Jutta Cerniglia (Sprecherin des Mieterrats Franz. Allee)