Zur Mieterversammlung am 4.7.09

Wir wenden uns heute an alle Mieter der Baugesellschaft Hanau und an die Öffentlichkeit

Wir sind empört, wie mit uns Mietern an der Französischen Allee in den Letzten Monaten und Jahren umgesprungen wurde. Neuester Höhepunkt war die Mieterversammlung am 04.07.2009 in der Aula der Brüder Grimm Schule, zu der die städtische Baugesellschaft Hanau eingeladen hatte. Hier zeigte sich wieder einmal, in welcher Art und Weise man bisher mit uns Mietern umgegangen ist und auch anscheinend in der Zukunft umgehen wird.

Nachdem von den Mietern der Französischen Allee lange eine klärende Mieterversammlung gefordert wurde, hat die Baugesellschaft diese nun in die Urlaubszeit gelegt. Viele Mieter konnten deshalb nicht daran teilnehmen. Darüber hinaus hat man sie zeitlich in zwei Versammlungen geteilt, obwohl alle Mieter das gleiche Problem haben. (Die Wohnungen sollen nämlich, aufgrund des Wettbewerblichen Dialoges, abgerissen werden). Das ganze scheint eine Strategie zu sein, denn kleinere Gruppen „lassen sich besser einschüchtern“.

KEINE ANTWORTEN

Auf die Mehrheit unserer Fragen bekamen wir keine konkreten Antworten. Wir fühlen uns nicht ernstgenommen. Die Vergangenheit, so wurde es von uns verlangt, sollten wir einfach ausblenden. Hierbei geht es um die seit 12 Jahren versprochene Sanierung unserer Wohnanlagen an der Französischen Allee. Aufgrund dieser Versäumnisse sehen die Wohnhäuser heute vernachlässigt aus. Auch die Frage, wer vom Abriss oder Sanierung wann und wie betroffen ist, wurde auch nicht ausreichend beantwortet. Es gab entweder nur ausweichende oder gar keine Antworten.

ABRISS WEGEN SCHLECHTER BAUSUBSTANZ

Wenn die Wohnanlagen nicht wirtschaftlich sanierbar sind, wie es die Baugesellschaft behauptet, soll sie dies endlich überzeugend d.h. belastbar belegen. Der Mieterrat ist im Gegenzug dazu bereit, ein eigenes Gutachten vorzulegen. Solange werden Mieter nicht bereit sein auszuziehen.

MIETER DIE IM WEGE SIND

Es wurden aber noch weitere Dinge auf der Mieterversammlung gesagt, die ein Licht auf die beteiligten Politiker werfen. Hier zitieren wir aus dem Kommentar der Frankfurter Rundschau vom 06.07.2009: „Die gute Wohnlage müsste zum allgemeinen Wohle Hanaus den Leistungsträgern der Gesellschaft vorbehalten werden. Eine Klientel, um die sich Städte reißen, ….“. Gesagt hat dies der Hanauer Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel von der SPD, der auch stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender der Baugesellschaft ist. Ein Sozialdezernent, insbesondere als Sozialdemokrat, sollte sich schämen, derartiges öffentlich zu formulieren. Die Mieter die dort seit 40 bis 60 Jahren wohnen sind diejenigen, die unsere Stadt nach dem Krieg mit ihrer Hände Arbeit mit aufgebaut haben. Diese von Herrn Axel Weiss-Thiel formulierte Politik liegt übrigens voll auf der Linie der Hanauer FDP, die sich in den vergangenen Monaten ähnlich geäußert hat.

BEZAHLBARER WOHNRAUM WIRD ZERSCHLAGEN

Es ist ein Baustein des Wettbewerblichen Dialoges, der hier sichtbar wird. Um all das umzusetzen, was der Wettbewerbliche Dialog vorgibt, muss man auch Teile der Bevölkerung in der Innenstadt austauschen. Es wird aber nicht bei ein „paar Anwohnern“ bleiben, die dieses Schicksal erleiden werden. Denn „gehobenes Wohnen“ an der Französischen Allee funktioniert nur, wenn noch weitere Häuser abgerissen werden --nämlich die halbe südliche Innenstadt. Nach den Wohnungen in der Alt-, Hahnen-, Steinheimer Straße und der Westseite der Französischen Allee folgt der Abbruch auf der Ostseite inklusive der Eingangsbereiche Schützen-, und Lautenschlägerstraße. Dies geht zumindest aus den Plänen aller Investoren des Wettbewerblichen Dialoges hervor. In diesen Plänen sind aber noch eine Reihe von weiteren Häusern eingezeichnet, die dann auch abgerissen oder saniert werden könnten. Das betrifft Häuser an der Südseite Französische Allee, Karl-Röttelberg-Straße, Calvinstraße und Gärtnerstraße (alle Südliche Innenstadt). Weiterhin bedroht vom Abriss ist das Wohngebäude Steinheimer Straße / Ecke Im Bangert sowie Wohnanlagen in der Altstadt: Im Schlosshof, Graf-Philipp-Ludwig-Straße, Luise-Schröder-Straße, Steinstraße, Badergasse und Nordstraße.

Hier wird deutlich, dass die Versprechungen an die Mieter, ihnen bei einem Auszug gleichwertigen Wohnraum in der Innenstadt zur Verfügung zu stellen, sehr schnell zu Luftblasen verkommen können.

NACH UNS SIND DIE NÄCHSTEN DRAN!

Wir wollen nicht zu Menschen zweiter Klasse gemacht werden, nach dem Motto „mit denen kann man´s ja machen“. Es werden viele sein, die von dieser Politik des Kleeblattbündnisses betroffen sein werden, sehr viele!!!
Wir bitten um Unterstützung aus der Bevölkerung sowie der betroffenen Mieter, um sich mit uns gegen diese Politik zu wehren.

Kommen Sie zu unserem Infostand am Neustädter Rathaus am Marktplatz, samstags zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr!

Mit freundlichen Grüßen

Jutta Cerniglia Erika Sklaretzki

Sprecherinnen Mieterrat

Hanau, 11.07.2009